Gedenktafel für R.M.S.

Enthüllung der Gedenktafel für Ronald M. Schernikau
Die Gedenktafel wird am Sonntag, den 11. Juli, dem 50. Geburtstag des Dichters Ronald M. Schernikau, um 14.00 Uhr enthüllt. Anwesend werden sein: Ellen Schernikau, Dr. Barbara Höll, MdB, Thomas Keck und Matthias Frings.

Die Veranstaltung ist öffentlich, eine Anmeldung ist nicht notwendig.
Sonntag, 11. Juli 2010, 14 Uhr
Universitätsstraße 20, 04109 Leipzig

Ankündigung hier.

„Die letzten Tage in L.“ in der Skala

Die Ankündigung glänzt ja schon mit der Behauptung, Ronald M. Schernikau sei eine der „politisch fragwürdigsten Figuren der jüngeren deutsch-deutschen Literaturgeschichte“. Er habe die deutsche Einheit schon vor dem Mauerfall „an sich selbst vollzogen“ – eine sehr witzige Formulierung im Fall eines Menschen, dem es darum ging, zu erklären „warum die ddr und die brd sich niemals verständigen können“.

Die ersten 45 Minuten waren mir peinlich und langweilig, außer bei der Beinaheschlägerei mit einer Frau aus dem Publikum, da war es einfach unangenehm. Ich bin dann gegangen. Danach seien angeblich Texte von Schernikau vorgelesen worden, wird in dieser Diskussion behauptet: „Der Geist des Dichters, abwesend“. Dort erfährt man auch, dass die Aggression kein Teil der Inszenierung gewesen sei. Freunde, die die Skala wohl schon häufiger besucht haben, berichten mir auch, dass dort Zoff mit dem Publikum und plumpe körperliche Angriffe gegen eben dieses auf der Tagesordnung stehen. Das wusste ich ja nicht. Ich weiß auch nicht, was das soll – soll es das Publikum aus seiner Agonie reißen oder so? Oder soll es die Inszenierungen irgendwie „dicht“ machen? Heiter finde ich das Ganze jedenfalls nicht.

Es war ja auch zu erwarten, dass nach dem Schernikauhype der letzten Jahre (u.a. mit der Biografie von Mathias Frings) seitens des BRD-Schwachsinns der Versuch unternommen wird, Schernikau zu rekuperieren. Der Ärmste!

Antizionistisches Sit-in beim SDS.

Es war ja zu erwarten:

Der „Sozialistisch-Demokratische Studierendenverband Leipzig“ a.k.a. SDS, der eigentlich SDS(R)1heißen müsste, hat gestern in der Mensa Flyer ausgelegt, die auf die jüngsten Ereignisse vor der israelischen Küste Bezug nahmen und zu einem abendlichen antizionistischen Sit-In einluden. Jan Filip Geldsack, Spion von der kommunistischen Gegenerde, ist natürlich sofort hingegangen.
Die Organisatoren stellten zunächst sichtlich befriedigt fest, dass ihrem Aufruf gut 20 Leute gefolgt waren, und das ist ja auch schon ein erster wichtiger Punkt: Mit Israelkritik kriegst du die Leute aus ihrer Bude raus und kannst Werbung für deinen Verein machen.
Jemand referierte kurz, was geschehen war (bzw. was man so allgemein darüber „weiß“) und dann durfte jeder sagen, was er denkt. Stimmungsbild: Alle bis auf zwei – nämlich mich und einen Typen vom Leipziger Bündnis gegen Antisemitismus – waren natürlich ordentlich traurig/empört und sind sich einig, dass das Vorgehen „verurteilt“ werden muss. Es ging dann ein bisschen durcheinander: Manche waren sowieso gegen Israel insgesamt, manche nur gegen das Militär. Eine droht, sie könne ihre Meinung nicht sagen, denn ihre Worte würden zu krass werden. Die anderen ganz gespannt: Echt? Cool, sag mal! Also: Es müsse jetzt endlich was passieren, man könne Israel es nicht ein weiteres Mal durchgehen lassen, die Regierungen müssten dieses Mal nicht nur diplomatischen Stress machen, sondern auch Taten folgen lassen usw. Was meint sie genau? Keine Ahnung; der nächste lügt einfach drauf los: Deutsche Waffen würden nie in Kriegsgebiete geliefert, nur Israel empfange deutsche Waffen und benutze sie dann auch – krasser Unsinn, der Köpfe nicken lässt. Im israelfixierten Weltbild kommt es auf den Wahrheitsgehalt eines solchen Satzes nicht an: Er dient ja nur dazu, sich dieser negativen Israelfixierung gegenseitig zu vergewissern, und das leistet diese Behauptung genau. Das ist wichtig, denn offen antisemitische Statements (von der Sorte Kindermörder, Brunnenvergifter etc.) muss man auslassen. Hat man auch weitestgehend – dafür von mir ein Bienchen!
Man wird heute an irgendeiner Demo teilnehmen. Dafür liegen schon Flyer aus.

Lirp schreibt auf Lyzis Welt:

… ist der Ernstfall der „Israelsolidarität“ eingetreten. Wir werden sehen, wer übrig bleibt.

Ich zum Beispiel.

Die auf diesem Blog kürzlich noch gelobte KKE hat erwartungsgemäß sofort ins Klo gegriffen.

Die antideutsche Annahme, der „Westen“ würde Israel schützen, kommt mir nicht stimmig vor. Das war irgendwie mal so, das kann sich aber auch ändern. Der Westen, das ist ja der Imperialismus. Der kann aufgrund konkret-historischer Umstände ein Interesse an Israel haben. Was aber ist die allgemeine Folge des Sieges des Westens? Die Verkleinbürgerlichung der Welt. Was ist das Weltbild des Kleinbürgers? Antikommunismus und Antisemitismus, plus Abarten davon. Was ist sein Erscheinungsbild? Die Depression, die Israelkritik, die Esoterik, der Islamismus. Irgendwann werden die Regierungen vielleicht den Stimmungen aus dem Volk („Hauptfeind Israel“) nachgeben müssen und Israel auch offiziell zum Prügelknaben machen. Schön, dass die Linke das schonmal vorbereitet.

  1. R bedeutet: Revisionisten. [zurück]

Thailand: Dieser Bürgerkrieg wird Ihnen präsentiert von Ihrer FDP.

Nix neues eigentlich: German-Foreign-Policy: „Ein entspannter und gemütlicher Putsch“

Dass irgendwo auf der Welt eine faschistische oder sonstige Quatschdiktatur an die Macht kommt, ohne dass Berlin da mitpfuscht, ist zwar eh nicht denkbar, deswegen weiß ich gar nicht, wieso ich das hier hinschreibe. Andererseits ist es ein Merkmal von Wissenschaftlichkeit, auch gut gesicherte Hypothesen immer mal wieder an der Realität zu überprüfen. Die These hält; hinter dem Faschismus steckt auch weiterhin das Kapital.

Diversantentum XXVII: Beispiel „Jungle World“

Jungle World: Fordert die KKE [die Kommunistische Partei Griechenlands, J.F.Geldsack] nicht auch, Griechenland sollte die Eurozone verlassen?
Evangelia: Ja. Und nicht nur die Eurozone, in ihrem Programm steht, dass Griechenland die EU verlassen soll.
JW: Dann gibt es zumindest eine seltsame Koalition zwischen griechischen Stalinisten und deutschen Rechten …
(„Eine revolutionäre Situtation existiert noch nicht“)

Super: Die sagen ja das gleiche. Also ist es eine Koalition! Q.e.d.
Die Antwort lautet? Gleiches Drecksblatt, gleiche Ausgabe:

Warum diktiert Deutschland den Griechen Brüningsche Notverordnungen, die es zu Hause für untauglich hält? Die Antwort lautet: Griechenland hat seine Souveränität eingebüßt und ist zur Plünderung freigegeben.
(Rainer Trampert: Zuchtmeister Deutschland)

Es ist eins, wenn durchgedrehte deutsche Rechte in der aktuellen Situation in der EU eine Verschwörung gegen oder eine Benachteiligung von „Deutschland“, also dem, was sie für Interessen des „dt. Volkes“ o.ä. halten, zu erkennen meinen und darauf mit der Forderung eines Austritts Deutschlands oder Griechenlands aus dem Euro/der EU reagieren. Es ist etwas anderes, wenn griechische Kommunisten erkennen, dass genau diese Situation tatsächlich nicht zum Nachteil Deutschlands, sondern zum Nachteil Griechenlands (gemeint: seiner Unter- und Mittelklassen) ist, weil sie ein Diktat Deutscheuropas über Griechenland bedeutet und nicht umgekehrt. (Ob der Austritt ein gangbarer Weg ist, ist erstmal eine andere Frage; mir geht es hier um die Beklopptheit von solchen formalen „Analogien“, die gerade zwischen KPs und Nazis zwanghaft aufgebaut werden.)

Diese Meinung – Griechenland müsse einen Austritt in Betracht ziehen – vertritt im übrigen, nur zur Info, auch z.B. Paul Krugman (http://krugman.blogs.nytimes.com/2010/05/05/greek-end-game/). Also eine „seltsame Koalition“ zwischen deutschen Nazis, griechischen Kommunisten (JW-Ausdruck dafür: Stalinisten) und New Yorker liberalen Ökonomen?

Griechenland

„Ich habe mich jahrzehntelang geärgert: Griechenland wäre ja damals freiwillig sozialistisch geworden, wenn Josef Stalin nicht so ein Weichei gewesen wäre“
(Harry Rowohlt)

Einige Hintergrundartikel:

Jan Filip Geldsack meint zu den Ereignissen:

Ich war kürzlich selbst in Griechenland und traf mich dort mit jungen, enragierten Anarchisten, die etwas seltsame Vorstellung von Ökonmie hatten, und einigen KP-Mitgliedern der älteren Generation, die lieb, klassenbewusst und insgesamt bei klarem Verstand waren. Es ist zu begrüßen, dass es dort nicht nur Idiotenparteien gibt, sondern auch eine KP, die es ernst meint, weswegen sie von der verlumpten bürgerlich-liberalen Lügenpresse zielsicher in die stalinistische Schublade einsortiert wird. Wenn die Bürger es mit der Angst zu tun kriegen, kann man nicht alles falsch gemacht haben!

Buchmesse: Großes Peter-Hacks-Wochenende angekündigt.

Do: „Berlinische Dramaturgie“
http://www.peter-hacks.de/?p=4272

Fr: „Vorsicht, Hacks!“
http://www.peter-hacks.de/?p=4236
(Vorsicht Hacks klingt ein bisschen wie Vorsicht Kamera aber naja)

Sa: „Peter Hacks Soirée“
http://www.peter-hacks.de/?p=4473

So: „Hacks und die Frauen“
http://www.peter-hacks.de/?p=3991

Hacks-Veranstaltungen machen doch so außerordentlich sinnlich!

40 Jahre Brötchen.

„Brötchen gebacken zu haben, die den Leuten schmecken, ist ein Verbrechen, das man den Kommunisten so schnell nicht vergeben wird“
(Peter Hacks1)

Im gläsernen Sparkassenhäuschen am Augustusplatz treffe ich nachts einen Obdachlosen und vier junge Frauen. Er kauert in der Ecke; sie wollen Geld holen. Sie fragen ihn, wie „es“ läuft; er windet sich und sagt so naja. Während der Automat also die passenden Scheine zusammensucht, bieten sie ihm Zigaretten an; er erzählt gleich unaufgefordert seine Geschichte: er habe mal Frau und Kinder gehabt, aber ach usw. – dann kommt aber sofort seine Heldengeschichte: er sei auch damals ’89 auf der Straße gewesen gegen die Diktatur.
Die Zeiten, als man dafür Geld gekriegt hat, sind aber auch vorbei und die Frauen beeindruckt das nicht.
Herzlichen Glückwunsch, das hast du wirklich toll gemacht! Im Grunde begrüße ich sein Schicksal – immerhin einer, der die Rechnung auch präsentiert kriegt. Dem Heldenvolk Leipzigs kann man den ökonomischen und sonstigen Abstieg ja nur wünschen.

Dieses Blog ist kein Wohlfahrtsausschuss, arbeitet aber an dessen Aufbau.

Ein andermal kaufe ich im Ein-Euro-Buchladen im Westwerk zwanzig Bücher, darunter ein paar Leninbände. Eine Frau kommt aufgeregt auf mich zu: „Das können sie den Russen geben!“ Es stellt sich heraus, sie meint den Lenin; darauf mein blöder Einwand: „Das ist doch die deutsche Übersetzung“. Sie sieht es ein und dann ich weiß nicht warum beschwert sie sich über die zerrütteten Verhältnisse und dass ihr Familienleute keinen Job mehr kriegen. Ihr lautes Geschrei lockt eine Traube von Leuten an.
Eine Woche später berichtet mein Freund … , er sei auf einer Party gewesen und Leute hätten ihm heiter lachend genau diese Geschichte erzählt.

Es gibt Dinge, die sind wichtig zu verstehen. Nicht alle DDR-Oppositionellen sind Nazis oder Fabrikbesitzerfans. Manche sind auch arbeits- oder obdachlos oder Paulinersympathisanten und andere einfach verwirrt.

  1. leider nur sinngemäß zitiert – aus: A. Müller, Gespräche mit Hacks [zurück]