Diversantentum XXVII: Beispiel „Jungle World“

Jungle World: Fordert die KKE [die Kommunistische Partei Griechenlands, J.F.Geldsack] nicht auch, Griechenland sollte die Eurozone verlassen?
Evangelia: Ja. Und nicht nur die Eurozone, in ihrem Programm steht, dass Griechenland die EU verlassen soll.
JW: Dann gibt es zumindest eine seltsame Koalition zwischen griechischen Stalinisten und deutschen Rechten …
(„Eine revolutionäre Situtation existiert noch nicht“)

Super: Die sagen ja das gleiche. Also ist es eine Koalition! Q.e.d.
Die Antwort lautet? Gleiches Drecksblatt, gleiche Ausgabe:

Warum diktiert Deutschland den Griechen Brüningsche Notverordnungen, die es zu Hause für untauglich hält? Die Antwort lautet: Griechenland hat seine Souveränität eingebüßt und ist zur Plünderung freigegeben.
(Rainer Trampert: Zuchtmeister Deutschland)

Es ist eins, wenn durchgedrehte deutsche Rechte in der aktuellen Situation in der EU eine Verschwörung gegen oder eine Benachteiligung von „Deutschland“, also dem, was sie für Interessen des „dt. Volkes“ o.ä. halten, zu erkennen meinen und darauf mit der Forderung eines Austritts Deutschlands oder Griechenlands aus dem Euro/der EU reagieren. Es ist etwas anderes, wenn griechische Kommunisten erkennen, dass genau diese Situation tatsächlich nicht zum Nachteil Deutschlands, sondern zum Nachteil Griechenlands (gemeint: seiner Unter- und Mittelklassen) ist, weil sie ein Diktat Deutscheuropas über Griechenland bedeutet und nicht umgekehrt. (Ob der Austritt ein gangbarer Weg ist, ist erstmal eine andere Frage; mir geht es hier um die Beklopptheit von solchen formalen „Analogien“, die gerade zwischen KPs und Nazis zwanghaft aufgebaut werden.)

Diese Meinung – Griechenland müsse einen Austritt in Betracht ziehen – vertritt im übrigen, nur zur Info, auch z.B. Paul Krugman (http://krugman.blogs.nytimes.com/2010/05/05/greek-end-game/). Also eine „seltsame Koalition“ zwischen deutschen Nazis, griechischen Kommunisten (JW-Ausdruck dafür: Stalinisten) und New Yorker liberalen Ökonomen?


15 Antworten auf „Diversantentum XXVII: Beispiel „Jungle World““


  1. 1 Blogologe 07. Mai 2010 um 19:54 Uhr

    Woher der Missmut gegenüber dem Wort „Stalinisten“?
    Natürlich sind die Mitglieder der griechischen KP – glücklicher-und kluger-weise – Stalinisten, und natürlich sind alle Kommunisten (die sich noch mit K schreiben) Stalinisten, wenn sie es ernst meinen – und waren es schon immer. Wer ernsthafter Kommunist ist, ist gleichzeitig auch Stalinist, alles andere ist Unsinn, Idealismus, Blödheit.

    Sei klug und sehe die Bezeichnung Stalinist – erst recht, wenn sie von Renegaten, Diversanten, Commünisten und anderen Neonazis kommt – als ein Kompliment.
    Und nenne dich von nun an selber Stalinist. Du bist doch nicht blöd, du darfst das.

  2. 2 tee 07. Mai 2010 um 21:43 Uhr

    du musst sogar!

  3. 3 Jan Filip Geldsack 09. Mai 2010 um 22:27 Uhr

    @Blogologe: Danke für das Lob und dein Vertrauen! Ich versteh nur nicht, warum ernsthafte Kommunisten immer Stalinisten sein müssen. Ich will ja nicht Stalin aus der Geschichte des K. rauskicken (a la Kulla et. al.), aber dachte mir halt immer so, das ist halt Sozialismus unter der damaligen Lage, und die kommt genau so eh nicht wieder, also besser den allgemeinen Titel („Kommunisten“) wählen. Bessere Gedanken habe ich mir dazu noch nicht gemacht.

    Sei klug und sehe die Bezeichnung Stalinist – erst recht, wenn sie von Renegaten, Diversanten, Commünisten und anderen Neonazis kommt – als ein Kompliment.

    Das sowieso. Na und wenn sie von dir kommt, auch!
    Liebstens: J.F.G.

  4. 4 Blogologe 17. Mai 2010 um 13:52 Uhr

    Ich hatte dieses Thema schonmal hier: http://lyziswelt.blogsport.de/2009/03/06/gorbatschow-empfiehlt-doch-n-bisschen-sozialismus/#comment-504

    Als Stalinist kann man sich also ruhig auch bezeichnen, wenn man nicht jede Kleinigkeit Stalins (oder sogar seine Fehler) affirmiert oder wiederholen möchte, das ist doch wohl sowieso klar. Du nennst dich ja auch Marxist, ohne dass Du jeden individuellen Quatsch von Marx übernimmst (z.B. schlägst Du wohl kaum Deine Frau, studierst Jura oder schreibst antijüdische Pamphlete).

    Grundsätzlich ist natürlich anzunehmen, dass der weitere Verlauf der Geschichte der Revolutionen sich wohl leider auch nicht anders ausnehmen wird, als z.B. zu Zeiten Stalins oder Lenins. Die Reaktion wird sich festigen und mit allen Mitteln (und sei es mal wieder Faschismus) ihren Scheiß verteidigen, mit soviel Unterdrückung und soviel Leuten, Bomben, Propaganda, Paranoia und Kriegen wie nur irgend möglich. Das kapital wird wieder zum Gegenschlag ausholen, und das wird keine Tupperparty, sondern eine Sauerei ertsen grades. Davon kann, ja sollte man als geschichtsbewusster, ernsthafter Kommunist realistischerweise ausgehen und sich deshalb diesen Realismus durchaus auch in seiner Selbstbezeichnung anmerken lassen: Je brutaler die bürgerliche Klasse, desto stalinistischer der Kommunist – so einfach ist das.

  5. 5 Jan Filip Geldsack 31. Mai 2010 um 21:15 Uhr

    Ich hatte dieses Thema schonmal hier: http://lyziswelt.blogsport.de/2009/03/06/gorbatschow-empfiehlt-doch-n-bisschen-sozialismus/#comment-504

    Ich sehe jetzt, was du meinst.
    Ich kann ja, wenn ich über den „demokratischen“ Sozialismus der SPD/Linke schimpfe, über den kleingeschriebenen von Enzensberger oder den außerhalb aller existierenden Gesellschaftlichkeit sich befindenden von, sagen wir mal, Kurz – dann kann ich ja schlecht beispielsweise den „wahren“ dagegenhalten (wenn ich den real existiert habenden (umständlich) meine)! Denn dieser Begriff ist ja auch schon durch Quatsch belegt.
    Zu deinem historischen Outlook: Es dürfte wohl so kommen. Ich werde dann auch Stalinist. Solange bleibe ich beim herkömmlichen Kommunisten.

  6. 6 Blogologe 03. Juni 2010 um 23:50 Uhr

    „Es dürfte wohl so kommen. Ich werde dann auch Stalinist.“

    Das „dann“ hat nur schon längst begonnen.

    Und warum sollte man irgendwem den „wahren“ Sozialismus entgegenhalten? Es geht doch um den Stalinismus als temporäre Kampfform und nicht als historische Endgültigkeit, Wahrheit und Perfektion.

  7. 7 Stanislaw Hirschfeld 02. Oktober 2010 um 22:09 Uhr

    Vier Monate später: Das „Dann“ ist in vollem Gange, die KPD nur eine Frage der Zeit, welche verkürzt wird durch einen zunehmend faschistisch sich gerierenden Staat, der die braven Bürger in die Arme jener treibt bzw. prügelt.

  8. 8 Jan Filip Geldsack 04. Oktober 2010 um 13:27 Uhr

    Der Staat prügelt die Bürger in die Arme der Grünen!

  9. 9 Stanislaw Hirschfeld 04. Oktober 2010 um 19:37 Uhr

    Keine Überraschung, wie immer erst Menschewismus, dann Bolschewismus.

  10. 10 SDAJ-Tschekist 05. Oktober 2010 um 23:46 Uhr

    Überraschend ist aber ja wohl, dass die Deutschen sich mal bewegen. Und dann auch noch da, wo man es als Kommunist niemals erwartet hätte: An einem Bahnhof!

  11. 11 Maik 19. März 2012 um 17:03 Uhr

    „Als Stalinist kann man sich also ruhig auch bezeichnen“

    Nicht mal Stalin selbst hat sich als Stalinist bezeichnet. Stalin hat sich immer als Schüler Lenin gesehen so wie Lenin sich als Schüler Marx und Engels gesehen hat. Lenin hat den Marximus weiter entwickelt.Als Lenin Starb,hat Stalin den Marxismus-Leninismus weiter Entwickelt und auf die damalige Zeit auch umgesetzt in der UdSSR. zu Stalin Zeit wurde auch der Kommunismus umgesetzt(Mit dem Fünfjahresplan Der Sowjet-Union 1946-1950)Somit ist also Stalin Kommunist gewesen und gehört zu Recht zu den Klassikern des Wissenschaftlichen Sozialismus/Kommunismus.

  12. 12 Stanislaw Hirschfeld 21. März 2012 um 17:47 Uhr

    Mensch Maik, wem willst Du eigentlich was erzählen? Nach ein paar allgemein bekannten Tatsachen, einer beachtlichen Menge Rechtschreibfehler und einer irrwitzigen Behauptung kommst Du zum wirklich nicht überraschenden Schluß: Stalin war Kommunist. Und ich weiß jetzt, was für einer Du bist: ein Auswendiglerner, ein unbegriffene Gedanken nachplappernder Besserwisser. Typen wie Du, selbst wenn sie ausnahmsweise sich für Kommunisten halten, stehen in der Regel dem (kommunistischen, damit natürlich: stalinistischen) Fortschritt im Weg, zu unbeweglich sind sie, unfähig, die Bewegungen der Realität zu erfassen und richtig zu beeinflussen. Da hilft es auch nichts, wenn Du mit Jahreszahlen um Dich wirfst. Papageien sind nicht revolutionär.

  13. 13 Maik 21. März 2012 um 19:52 Uhr

    @Hirschfeld es ist nur eine Jahreszahl und Papagei bin ich nicht ich bin Arbeiter. Mir schreibfehler vorzuwerfen ist sehr arrogant.Lese mal Lenin wie man sich Mit Mensch unterhalten sollte, nicht so herab lassend sein.

  14. 14 Stanislaw Hirschfeld 22. März 2012 um 0:31 Uhr

    1. Es sind zwei Jahreszahlen.

    2. Hol Dir ruhig gepflegt einen runter auf Dein Arbeiterdasein. Glaubst Du Frechling eigentlich, Du seiest der einzige kommunistische Arbeiter hier, zudem der einzige, der Lenin gelesen hat? Wie arrogant ist das denn bitte? Übrigens ging es mir nicht um Deine Rechtschreibfehler allein, sondern in erster Linie um die paar wiedergekäuten Floskeln, die Du, 1000mal gelesen, 1000mal gehört, dennoch nicht einmal ansatzweise fehlerfrei und bruchlos wiedergeben kannst. Ich korrigiere mich also: Du bist kein Papagei, Du bist ein unfähiger Papagei.

  1. 1 Antizionistisches Sit-in beim SDS. « Rotes Reudnitz Pingback am 02. Juni 2010 um 15:52 Uhr
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