Antizionistisches Sit-in beim SDS.

Es war ja zu erwarten:

Der „Sozialistisch-Demokratische Studierendenverband Leipzig“ a.k.a. SDS, der eigentlich SDS(R)1heißen müsste, hat gestern in der Mensa Flyer ausgelegt, die auf die jüngsten Ereignisse vor der israelischen Küste Bezug nahmen und zu einem abendlichen antizionistischen Sit-In einluden. Jan Filip Geldsack, Spion von der kommunistischen Gegenerde, ist natürlich sofort hingegangen.
Die Organisatoren stellten zunächst sichtlich befriedigt fest, dass ihrem Aufruf gut 20 Leute gefolgt waren, und das ist ja auch schon ein erster wichtiger Punkt: Mit Israelkritik kriegst du die Leute aus ihrer Bude raus und kannst Werbung für deinen Verein machen.
Jemand referierte kurz, was geschehen war (bzw. was man so allgemein darüber „weiß“) und dann durfte jeder sagen, was er denkt. Stimmungsbild: Alle bis auf zwei – nämlich mich und einen Typen vom Leipziger Bündnis gegen Antisemitismus – waren natürlich ordentlich traurig/empört und sind sich einig, dass das Vorgehen „verurteilt“ werden muss. Es ging dann ein bisschen durcheinander: Manche waren sowieso gegen Israel insgesamt, manche nur gegen das Militär. Eine droht, sie könne ihre Meinung nicht sagen, denn ihre Worte würden zu krass werden. Die anderen ganz gespannt: Echt? Cool, sag mal! Also: Es müsse jetzt endlich was passieren, man könne Israel es nicht ein weiteres Mal durchgehen lassen, die Regierungen müssten dieses Mal nicht nur diplomatischen Stress machen, sondern auch Taten folgen lassen usw. Was meint sie genau? Keine Ahnung; der nächste lügt einfach drauf los: Deutsche Waffen würden nie in Kriegsgebiete geliefert, nur Israel empfange deutsche Waffen und benutze sie dann auch – krasser Unsinn, der Köpfe nicken lässt. Im israelfixierten Weltbild kommt es auf den Wahrheitsgehalt eines solchen Satzes nicht an: Er dient ja nur dazu, sich dieser negativen Israelfixierung gegenseitig zu vergewissern, und das leistet diese Behauptung genau. Das ist wichtig, denn offen antisemitische Statements (von der Sorte Kindermörder, Brunnenvergifter etc.) muss man auslassen. Hat man auch weitestgehend – dafür von mir ein Bienchen!
Man wird heute an irgendeiner Demo teilnehmen. Dafür liegen schon Flyer aus.

Lirp schreibt auf Lyzis Welt:

… ist der Ernstfall der „Israelsolidarität“ eingetreten. Wir werden sehen, wer übrig bleibt.

Ich zum Beispiel.

Die auf diesem Blog kürzlich noch gelobte KKE hat erwartungsgemäß sofort ins Klo gegriffen.

Die antideutsche Annahme, der „Westen“ würde Israel schützen, kommt mir nicht stimmig vor. Das war irgendwie mal so, das kann sich aber auch ändern. Der Westen, das ist ja der Imperialismus. Der kann aufgrund konkret-historischer Umstände ein Interesse an Israel haben. Was aber ist die allgemeine Folge des Sieges des Westens? Die Verkleinbürgerlichung der Welt. Was ist das Weltbild des Kleinbürgers? Antikommunismus und Antisemitismus, plus Abarten davon. Was ist sein Erscheinungsbild? Die Depression, die Israelkritik, die Esoterik, der Islamismus. Irgendwann werden die Regierungen vielleicht den Stimmungen aus dem Volk („Hauptfeind Israel“) nachgeben müssen und Israel auch offiziell zum Prügelknaben machen. Schön, dass die Linke das schonmal vorbereitet.

  1. R bedeutet: Revisionisten. [zurück]

25 Antworten auf „Antizionistisches Sit-in beim SDS.“


  1. 1 anti 02. Juni 2010 um 16:58 Uhr

    Die antideutsche Annahme ist das allemal nicht… aber die Skepsis zu teilen wohl begründet.

  2. 2 tee 03. Juni 2010 um 1:16 Uhr

    und wie hat der typ mit der positiven israelfixierung reagiert auf derlei unterhaltsame israelkritik?

  3. 3 kaffee 03. Juni 2010 um 10:14 Uhr

    Ich finde es wichtig, dass man auch Israels antisemitische und menschenverachtende Handlungen breiter in der Öffentlichkeit thematisiert. Problematisch finde ich aber schon, dass es auch in sich als „links“ bezeichnenden Kreisen extrem nationalistische Einstellungen pro Israel gibt die keinerlei Kritik an diesem Regime zulassen. Das gleiche machen die Nazis auch.

  4. 4 Jan Filip Geldsack 03. Juni 2010 um 15:50 Uhr

    und wie hat der typ mit der positiven israelfixierung reagiert auf derlei unterhaltsame israelkritik?
    (tee)

    Wer ist damit gemeint?
    Ich z.B. bin nicht bekloppt genug, anzunehmen, ich könnte in diesen Kreisen mittels Argumenten, Erklärungen, Analysen den Unsinn aufhalten. Ich habe mich daher auf Rumspionieren & Denunzieren spezialisiert.
    Ich weiß nicht, was man denkt und tut, wenn man eine „positive Israelfixierung“ hat. Eventuell schwenkt man Israelfahnen, wie bei der Demo gestern abend geschehen?:
    http://www.israel-soli.de/index.php/papers/statements/62-leipzig-kaempft-in-vorderster-front
    http://www.israel-soli.de/index.php/papers/statements/63-demonstration-der-die-linkesds-geht-gewalttaetig-gegen-kritikerinnen-vor

  5. 5 Blogologe 03. Juni 2010 um 20:44 Uhr

    Frage: Wann werden die Deutschen (und ihre linken Volksgenossen) wieder judenfreundlich?

    Antwort: Wenn die Juden kein „Regime“ (kaffee) mehr haben, also kein Land, also der globalen, antisemitischen Verfolgung und Vernichtung wieder schutzlos ausgeliefert sind. Denn die Deutschen (und erst recht deren linke Volksgenossen) engagieren sich gern für Ohnmächtige und Opfer (vor allem für solche, die von ihnen selbst zu Ohnmächtigen und Opfern gemacht wurden). Dann, wenn die Juden wieder Verlierer, Opfer, Unbewaffnete, Deppen, Staatenlose, Nomaden sind, dann, ja dann hat man sie wieder gern in der deutschen Linken – denn dieses Losertum erinnert sie so sehr an die eigene Verkümmertheit (dabei müssten doch gerade die links-materialistischen Staatskritiker wissen, dass das Betreiben eines Staates kein Zuckerschlecken ist, sondern nunmal NOTWENDIG BRUTAL zu sein hat, wenn es erfolgreich sein soll – auch im Falle Israel natürlich).

    „Macht ist böse, Ohnmacht ist gut“ – auf diesen simplen Schwachsinnssatz lassen sich letztlich leider mindestens 95% aller deutschen und linken Strömungen – von Pazifisten & GSP-Commünisten über DKPler & Foucaultinaer bis hin zu Jugend-Antifa & Punker-Spelunken-Besitzern – herunter brechen. Und so doof dieser Satz auch ist, sein Erfolg ist garantiert, solange der Mob weiterhin dumm und ohnmächtig gehalten wird. Denn in ihrer falschen Existenz spiegelt sich der falsche Gedanke, den sie eben solange für richtig halten, bis man ihnen endlich mal wieder mit der Stalinorgel den Vorgarten platt macht.

    Der größte Feind des Kommunismus war, ist und bleibt die (deutsche) Linke. Während die Springerpresse mit ihrer rechten Dreckspropaganda noch jeden Unentschlossenen in die Arme der Bolschewisten trieb, so hat die sogenannte Linke noch jeden verschreckt, der sich einmal das Elend ihrer diskursiven Zusammenkünfte antat.

    Es ist zum An-die-Wand-pissen, echt.

  6. 6 tee 03. Juni 2010 um 21:38 Uhr

    „Wer ist damit gemeint?“

    na der typ vom bgal, von dem du weiter oben schreibst. ich dachte ja, die formulierung von der negativen israelfixierung spielt auf diesen an.

    „Ich weiß nicht, was man denkt und tut, wenn man eine „positive Israelfixierung“ hat. Eventuell schwenkt man Israelfahnen, wie bei der Demo gestern abend geschehen?“

    righty right.

  7. 7 Jan Filip Geldsack 04. Juni 2010 um 15:43 Uhr

    Ist der Uri Avnery, der in allen möglichen linken Schwachsinnsveröffentlichungen schreiben darf, eigentlich der gleiche wie der, der auf diesem klerikalfaschistischen Webportal schon verweste Inhalte seines Subuntergehirns in Textform zu veröffentlich versucht?

  8. 8 Felix Bartels 07. Juni 2010 um 16:24 Uhr

    Über gewisse Themen kann lange diskutieren, weil sie wirklich nicht einfach sind, aber manchmal reicht es schon, einfach den Sprachgebrauch gewisser Gestalten zu beobachten:

    http://www.mein-parteibuch.com/blog/2010/06/01/zionistische-auffassung-von-internationalem-recht/

    „Schurkenstaates Israel … Massakers … Ermordung der unbewaffneten Aktivisten … Wahrheit nach Zionistenart … faschistischen Apartheidsstaates … zionistischen Staatsterroristen … aus sadistischem Spaß am Morden und Quälen … zionistischen Herrenmenschen … Verbrecherbande … Israel-Lobby … zionistische Mörderregime … Blutdurst … zionistische Terrorbande … massakriert … aus Spaß am Morden … Mörderstaat … zionistischen Mörderbande … Schurkenstaat Israel … israelischen Staatsterrorismus“

  9. 9 total schlimmer typ 08. Juni 2010 um 10:32 Uhr

    Hallo Jan Filip,

    ich war auch auf dem Treffen – und sag mal, welcher von den beiden heroischen „Kritikern“ warst Du denn: Der, der meinte: „Ich hätte auch geschossen“, oder der die Hamas als „Nazibande“ bezeichnet hat und meinte, auf dem Weg nach Hamburg müsse man sich ja auch nicht wundern, wenn der BGS mit Schiffen ankäme?
    Dafür, dass Du im Netz so große Töne spuckst, warst Du nämlich beim Treffen erstaunlich leise – ein wahrer Ideologiekritiker eben, gell?

    Gute Besserung,

    Linus-Lorenz Leisetreter

  10. 10 Kobra_Kahn 08. Juni 2010 um 14:14 Uhr

    @ total schlimmer typ:

    junge, hätte er dir den aufe fresse hauen sollen um deinen diffusen souveränitäts- und konsistenzwünschen gerecht zu werden?

  11. 11 Jan Filip Geldsack 08. Juni 2010 um 15:41 Uhr

    @total schlimmer typ:
    Wenn du’s unbedingt wissen willst: der, der die Hamas korrekterweise als Nazibande bezeichnet hat – was ja auch einen interessanten Effekt hatte: sowas darf man bei euch nämlich nicht sagen oder sich eingestehen, weswegen überall die Gehirne ansprangen und überlegt haben, wie man diesen Vorwurf auf eine für an linksdemokratischen Stuhlkreisen geschulten Empörungsdiskutanten passende Weise zurückweisen könne. Diese Operation gelang auch gleich darauf, als meine Nachbarin meinen Nazi-Vorwurf als „Verharmlosung des Nationalsozialismus“ bezeichnete – superschlau gewählte Worte!
    Da planen Leute die Wiederholung des Holocausts, und wenn man sie dann Nazis nennt, ja dann muckt ihr auf. (Ihr plant ja auch kräftig mit – Israelkritik statt Sozialismus! lautet quasi das Erfolgsrezept der Linkspartei wie der Hamas sowie des halben Rests der Welt).

    Dafür, dass Du im Netz so große Töne spuckst, warst Du nämlich beim Treffen erstaunlich leise – ein wahrer Ideologiekritiker eben, gell?

    Dass ich mich dort nicht in die zusehends lauter und unsinniger werdende Diskussion integriert habe wie manch anderer es getan hat, ist allerdings wahr.
    Und welche von den Knalltüten dort warst du bitteschön? Der Trotzkist oder der Versicherungsvertreter?

  12. 12 Jan Filip Geldsack 11. Juni 2010 um 15:26 Uhr

    In der Sache: Das örtliche Büro der Linkspartei veröffentlichte diese Erklärungen der beiden opponenten Gruppen: „Debatte um Free Gaza-Flotille auch in Leipzig

    „Aber bereits wenige Minuten nachdem sich der Demozug in Bewegung gesetzt hatte, wurden an der Seite der Demo Israel-Fahnen entrollt und die Demonstrierenden als „Nazis“ beschimpft.“

    Nun weiß ich aus eigener Zeugenschaft, dass die Israelsolidarischen durchaus auch als „Nazis“ beschimpft wurden. Soviel dazu, das ist mir alles zu tüddelig.

    Wir verwehren uns entschieden gegen den Vorwurf, Kritiker der völkerrechtswidrigen Erstürmung des Schiffes und der Tötung von Zivilisten auf internationalen Gewässern wären Antisemiten!

    Ich weiß nicht, ob die Genossen von der Israelsolidarität das behauptet haben oder behaupten – ich denke auch, dass es falsch ist. Eher meine ich, kurz gesagt, dass der Antizionismus (oder eben die ständige „Israelkritik“) heute ein beliebtes Mittel ist, um einerseits gewisse linke Vorstellungen (Frieden, Antirassismus, Völkerverständigung, Solidarität mit Schwächeren etc.) propagieren zu können und dabei (unbewusst) ausgerechnet die alten antisemitischen Gleise zu benutzen. Man fährt so einen Publikumserfolg ein, auch bei Leuten, die den ganzen Tag lang strikte Antikommunisten sind. Selber braucht man dafür aber kein Antisemit zu sein.
    Wer mal was „Gutes“ tun möchte, kann ja den Sozialismus in Europa wieder auf die Tagesordnung setzen. Dann läuft es auch im Nahen Osten besser :D
    Danach sieht’s aber momentan nicht aus. Und das ist der Vorwurf: Ihr (Linkspartei) seid euch der geschichtlichen Lage nicht bewusst. Was seit ’89/’90 läuft, ist die Restaurierung bürgerlicher Blödsinnsmacht und damit die Wiederunbewohnbarmachung Europas und der Welt. Es ist nachgewiesen, dass der Antisemitismus seitdem steil ansteigt, ob in Europa oder in der Form des Islamismus, und es ist jedem Deppen klar, dass der sich gegen Israel richtet und nicht einfach nur gegen Juden (und gegen jene, welche die Antisemiten dafür halten) als solche.
    Es gab und gibt ja auch gute Gründe gegen den Zionismus, die nicht selten auch von Genossen vorgebracht wurden. Vielleicht war Antizionismus einmal sinnvoll, heutzutage ist er jedenfalls eine weitere Stufe auf dem Weg zur Barbarei.
    Wenn ihr da halt unbedingt mitmachen wollt, bitte sehr. Wenn ihr mit den Kleinbürgern, Demokraten, Islamisten und anderen Menschenrechtlern zusammen Israel die Bude anzünden wollt, wird mir als Kommunist halt einfach ein bisschen unwohl.

  13. 13 Jan Filip Geldsack 11. Juni 2010 um 15:32 Uhr

    Nicht dass die andere Seite nicht auch auf der Grenze zur Demenz stehen würde:

    Es ist unerträglich, dass es in der Stadt der „Friedlichen Demonstration“ ohne Gefahr für Leib und Leben nicht möglich ist, Kritik am heuchlerischen, antisemitischen Charakter solcher Israelkritik zu äußern, wie er sich in der Kundgebung offenbarte.

    Heldengemüse!

  14. 14 kalle 11. Juni 2010 um 22:25 Uhr

    „… wird mir als Kommunist halt einfach ein bisschen unwohl“

    reicht nicht „vernünftiger mensch“?

  15. 15 Stanislaw Hirschfeld 14. Juli 2010 um 10:32 Uhr

    Leute wie kalle sind vom gleichen Schlag wie diejenigen, die zu Kriegen bewaffnete Auseinandersetzung sagen: Verblödet und neunmalklug, demnächst vom Gang der Geschichte überrollt.

  16. 16 kalle 06. August 2010 um 23:46 Uhr

    und leute wie du brauchen einen ehrentitel, um sich die verblödung wegzulügen so wichtig zu sein doch einmal selbst die geschichte (mit)gestalten zu können.

    träumer.

  17. 17 Stanislaw Hirschfeld 08. August 2010 um 13:33 Uhr

    Und jetzt nochmal auf deutsch!

  18. 18 Jan Filip Geldsack 09. August 2010 um 0:16 Uhr

    was haben jetzt plötzlich alle mit ihren „ehrentiteln“? hat nicht a. thiele uns vor kurzem das gleiche erzählt?

  19. 19 Stanislaw Hirschfeld 09. August 2010 um 13:09 Uhr

    Das ist etwas länger her, daß das eingeführt wurde. Damit fingen die GSP-Commünisten an, man darf ja nicht sagen, daß man Kommunist ist, man soll sich den Atem für Kritik sparen.

  20. 20 kalle 11. August 2010 um 23:14 Uhr

    aufhören mit atmen wäre mir lieber.

    dieses dauernde „ich bin kommunist, ich bin kommunist, ich bin kommunist“-gesabbele hält jedenfalls kein mensch aus.

  21. 21 Blogologe 12. August 2010 um 15:13 Uhr

    Hallo, ich bin Kommunist!

  22. 22 Stanislaw Hirschfeld 12. August 2010 um 16:16 Uhr

    Woher will kalle eigentlich wissen, was Menschen aushalten können? Blinde erzählen einem doch auch nicht, ob die Aussicht schön ist. Ich bin übrigens Kommunist!

  23. 23 Jan Filip Geldsack 12. August 2010 um 16:19 Uhr

    Es kommen immer mehr! Ich halt’s nicht mehr aus .. :D

  1. 1 lokale entrüstung « Im Kopf Lokalisation Pingback am 02. Juni 2010 um 22:42 Uhr
  2. 2 Leipziger Holzlattendiskurs « tee Pingback am 03. Juni 2010 um 22:50 Uhr
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